19.09.2025

Festabend des SV Dachau: Ein Jahrhundert im Dienste der Bürger

Schwabhausen/Dachau (jw) – Exakt 100 Jahre und 117 Tage nach seiner Gründung am 26. Mai 1925 feierte der Schwimmverein Dachau im Saal des Gasthauses Lachner in Schwabhausen mit rund 100 Gästen seinen Festabend zum runden Jubiläum. Honoratioren von Stadt und Landkreisreis Dachau sowie aus den Verbänden BSV und BLSV brachten nicht nur Glückwünsche und Geschenke, sondern vor allem Anerkennung und Dank: Klaus Woryna, Vize-Präsident des bayerischen Schwimmverbandes (BSV) brachte es auf den Punkt: „Auf den SV Dachau ist Verlass!“.

Im vollbesetzten Saal nahm Stefan Hefele, der amtierende und insgesamt 13. erste Vorsitzende seit der SVD-Gründung die Gäste mit auf eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte des „krisenerprobten Vereins“. Er schlug einen Bogen von den enthusiastischen Anfangsjahren, als die Mitglieder teilweise mit eigenen Händen eine erste 50-Meter-Schwimmbad aus dem Amperschlamm hoben, bis in die Zukunft, planmäßig im Herbst 2026: „Da sehe ich gerade schöne Zeiten. In einem formschönen, endlich fertig gestellten Ufo mit acht Bahnen, glücklichen SVD-Mitgliedern, begeisterten Dachauern, strahlenden Stadtwerke-Verantwortlichen und zufriedenen Politikern“, sagte Hefele und meinte natürlich die lang ersehnte Eröffnung des neuen Dachauer Hallenbades.

Hefele verdeutlichte, dass der SVD stets ein initiativer, kreativer und im besten Sinne gemeinnütziger Verein gewesen sei, der stets über den eigenen Tellerrand hinausblickte und sich als Verein für Zusammenhalt, Freundschaft und Engagement auch für andere verstand So ebnete der SVD mit seinen legenden Maskenbällen („Schwimmer-Redouten“) der Faschingsgesellschaft Dachau den Weg, half die DLRG-Ortsgruppe zu gründen und rettete den ASV-Vorläufer „Arbeiter-Turn-und-Sportverein“ vor dem Aus, als der von der NSDAP 1933 aufgelöst werden sollte.

Hefele betonte, dass der Verein trotz großer Erfolge – der SVD hatte vom Weltmeister über Guinness-Weltrekordler, Deutsche Meister, Rekordhalter bis Kreismeister alles in den eigenen Reihen – vor allem um den Breitensport, den Sport für alle gehe.

Die bestätigten auch alle Gastredner. Woryna meinte, der SVD sei seiner Zeit oft voraus gewesen und nannte als Beispiele die neuen Sportarten Aquaball und Mermaiding, die ihren Boom auch der Aktivitäten des SVD verdankten. Auch der Masters-Cup sei zu einem der wichtigsten Wettbewerbe für Mastersschwimmer in ganz Europa geworden. Zudem lobte Woryna den SVD als großartigen Partner bei der Ausrichtung von Wettkämpfen, der Beteiligung in den Gremien, bei der Ausbildung und der Abstellung von Schieds- und Kamprichtern: „Auf den SV Dachau ist Verlass. Der BSV ist stolz auf euch.“

Marianne Klaffki, stellvertretende Landrätin, betonte den Beitrag den der SVD zu Integration und Inklusion leiste, und verwies darauf, wie notwendig die Arbeit der Schwimmvereine sei. Das hatte auch Hefele hervorgehoben: „Schwimmen lernen ist wichtiger denn je. Das zeigten in den letzten Jahren die steigenden Zahlen tragischer Unglücke von Nichtschwimmern bei gleichzeitig steigendenden Bäderschließungen.“

Steffen Enzmann, der Vorsitzender des Bezirks Oberbayern des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) lobte den Verein für den unermüdlichen Einsatz seiner ehrenamtlichen Helfer: „Ohne euch geht es nicht.“ Günter Dietz, BLSV-Kreisvorsitzender Günter Dietz, gleichzeitig Sportreferent der Stadt Dachau, meinte: „Ich fühl mich beim SVD zu Hause, seit 24 Jahren! Danke für eure hervorragende Arbeit.“

Die wurde auch in Form von Ehrungen gewürdigt, die Woryna, Enzmann und Dietz vornahmen und etliche Ehrennadeln für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit verteilten. Den Rekord hielt Michaela Rößler. Die Tochter des einstigen SVD-Ehrenvorsitzenden Pauk Burkert wurde mit der höchsten BLSV-Auszeichnung gehrt und erhielt für mittlerweile 53 Jahre im Ehrenamt die „Goldene Ehrennadel mit Brillanten und großem Kranz.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann würdigte die Bedeutung des SVD als sportlichem Aushängeschild, vor allem aber auch seine gesellschaftliche Bedeutung. In einer Zeit des Individualismus und der Vereinzelung biete der SVD mit seinem großen sportlichen Angebot den Menschen Gemeinschaftserlebnisse und Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Stadt Dachau gebe sich trotz der schwierigen finanziellen Lage Mühe, die Vereine zu unterstützen.

Natürlich kam Hartmann auch auf das neue Hallenbad, noch eine (endlich wieder fortschreitende) Baustelle, zu sprechen. Mit Verweis auf das alte Bad, das ein paar Jahre vor dem Film-Klassiker „Der weiße Hai“ eingeweiht wurde, sagte Hartmann in launigen Worten: „In ‚Der weiße Hai‘ sagt der Polizeichef Brody zum Hai-Jäger Quint, als er den weißen Hai erstmals entdeckt: ‚Sie werden ein größeres Boot brauchen.‘“ Und die Dachauer Schwimmer und Schwimmbegeisterten würden ein „größeres Bad brauchen“.

Und das sollen sie auch bekommen, sagte Hartmann. Wenn alles glatt geht, im Herbst 2026. Ob Worynas und Enzmanns Traum wahr wird, dass dann im neuen Hallenbad (wie 1972 im alten geschehen) Mannschaften für ihren Olympia-Einsatz in München trainieren, bleibt abzuwarten. Klar scheint aber, dass es zur Einweihung ein multiples Kunstspringen geben wird.

Hefele erinnerte Hartmann in seiner Rede an ein wohl beim Dachauer Volksfest gegebenes Versprechen, wonach Hartmann das Bad mit einem Sprung von Ein-Meter-Brett eröffnen wolle. Hefele legte einen drauf: „Ich spring vom Dreier.“ Da wollte sich Enzmann nicht lumpen lassen: „Ich spring auch vom Dreier, aber ich mach nen Salto.“

Jürgen Winzer



100 Jahre SV Dachau: Von den Honoratioren gab es beim Festabend Dank und Geschenke. Von links: Oberbürgermeister Florian Hartmann, BSV-Vizepräsident Klaus Woryna, SVD-Vorsitzender Stefan Hefele, stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki, Vorsitzender des BLSV-Bezirks Oberbayern Steffen Enzmann und Dachaus Sportreferent und BLSV-Kreisvorsitzender Günter Dietz.


Für ihren langjährigen Einsatz im Ehrenamt wurden verschiedene Mitglieder ausgezeichnet von Verein, BLSV und BSV ausgezeichnet. Am längsten ist Michaela Rößler (Vierte von rechts) aktiv, die sich seit 53 Jahren unermüdlich für den SVD und den Sport engagiert.